Chocolat Fondant

Homogenisierung der Struktur von Schokolade

Der Geburtsort eines globalen Produkts kann als dessen Hauptstadt bezeichnet werden. Auch die Schweiz erhielt so ihre Schokoladenhauptstadt.
Chocolat Fondant

Homogenisierung der Struktur von Schokolade

Der Geburtsort eines globalen Produkts kann als dessen Hauptstadt bezeichnet werden. Auch die Schweiz erhielt so ihre Schokoladenhauptstadt.




Schokoladenhauptstadt

Chocolat Fondant

Ein Produkt entwickelt sich weiter, indem einzelne Meilensteine verbessert werden. Erst wenn sich ein Meilenstein über einen längeren Zeitraum hinweg bewährt hat, kann von einem finalen Durchbruch gesprochen werden. Bei der globalen Entwicklung eines Produkts gilt die Person als Erfinderin oder Erfinder, die oder der den finalen Meilenstein gesetzt hat. In den meisten Fällen profitierten sie von den vorherigen Meilensteinen, die von anderen Vorreitern oder Vorreiterinnen gesetzt wurden.

Rodolphe Lindt erlernte das Handwerk bei der Familie Kohler in Lausanne, mit der er verwandt war. Nach seiner Zeit in der französischsprachigen Schweiz entwickelte er im Jahr 1879 ein Verfahren, bei dem die einzelnen Elemente in der Masse auf chemische Weise miteinander verschmelzen. So gelang ihm erstmals die Homogenisierung der Schokoladenstruktur. Da Schokolade damals eine krümelige bis körnige Struktur hatte, unterschied sich seine neuartige Kreation im Wesentlichen durch ihre einzigartige Schmelzeigenschaft. In der Kommunikation wollte er dieses Alleinstellungsmerkmal besonders hervorheben. Deshalb wählte er den Namen «Chocolat Fondant», was auf Deutsch Schmelzschokolade bedeutet.

P. Zipperer verwendet den Begriff «Schmelzschokolade» zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Fachbuch, um eine Abgrenzung zur um 1900 üblichen Schokolade zu schaffen. Er hält zudem fest, dass das neuartige Verfahren damals nur vereinzelt in der Schweiz angewendet wurde. In der deutschen Verordnung über Kakao und Kakaoerzeugnisse aus dem Jahr 1933 wird Schmelzschokolade erstmals lebensmittelrechtlich definiert. Dadurch etablierte sich die Bezeichnung als Fachbegriff. In der später erschienenen Fachliteratur von H. Fincke zählt die von Rodolphe Lindt entwickelte Technik zum Standardverfahren in der Schokoladenproduktion. Dies zeigt, dass sich die Chocolat Fondant weltweit durchsetzen konnte. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung wird Schmelzschokolade heute schlicht «Schokolade» genannt. Die Chronologie macht aber deutlich, dass selbst die heutige Bezeichnung auf den Namen zurückzuführen ist, den der Erfinder für sein Produkt im Jahr 1879 wählte. Sowohl die Erfindung an sich als auch der Name weisen somit eine bemerkenswerte Entwicklung auf. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade nur das Birchermüsli ein, das ebenso aus der Schweiz stammt und eine ähnlich beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen hat. Ein weiteres Beispiel für einen starken Namen ist «Natel», den die ehemalige PTT und heutige Swisscom als Synonym für Mobiltelefone etablieren konnte. Dies betraf jedoch nur die Schweiz.

Bei der Erfindung der Milchschokolade durch Daniel Peter in Vevey war Rodolphe Lindt jedoch nur ein Vorreiter. Da am Lac Leman aber auch das Schmelzverfahren angewendet wurde, handelt es sich dabei nur um einen Schokoladentyp. So weist nämlich auch die Variante mit Milch eine Schmelzeigenschaft auf. Die Erfindung in Vevey lässt sich zeitlich aber nur ungefähr einordnen. Sie kann erst ein paar Jahre nach 1879 erfolgt sein.

R. Rossfeld hielt bereits im Jahr 2007 in seinem Buch «Schweizer Schokolade» fest, dass Rodolphe Lindts Innovation eine typisch produktorientierte war, welche die Qualität des Produkts verbesserte, zugleich aber auch die Herstellungskosten erhöhte. Eigentlich würde diese Erfindung perfekt zum Swiss-Made-Gütesiegel passen. Trotzdem wird diese Schweizer Pionierleistung oft auf eine Legende reduziert, in der dem Erfinder ein Fehler unterstellt wird.

Die Ironie dieser tragischen Geschichte ist, dass die Legende selbst der einzige nachweisbare Fehler ist. Der Logik der Urheber folgend soll der Prototyp einer Conche wie eine moderne Waschmaschine funktioniert haben. Das Conchierprogramm soll dabei besonders praktisch gewesen sein. Es liess sich nämlich auf exakt 72 Stunden einstellen. So konnte man sich an den Wochenenden unbemerkt auf «galante Abenteuer» begeben und am Montag die Früchte – bzw. die Schokolade – ernten. So stellt man sich «das wahre Schoggileben» in der Limmatstadt also vor. Damit wird der eigenen Kundschaft weisgemacht, dass der Erfolg in der Schokoladenhauptstadt nur mit Glück möglich war.

Als ob das alles nicht schon genug wäre, werden Rodolphe Lindt auch noch krumme Machenschaften angedichtet. So soll sein Glückstreffer auch noch unverdient gewesen sein. Dadurch verliert seine Erfindung endgültig an Glanz. Damit geht in der globalen Schokoladenentwicklung aber auch die Bedeutung seiner Geburtsstadt unter. Doch auch bei der Verwendung eines Waschprogramms können Anwenderfehler auftreten. So kann sich helle Wäsche beispielsweise braun färben, wenn die Temperatur zu hoch ist. Rodolphe hat jedoch eine saubere Weste, denn ihm wäre ein solcher Fehler niemals unterlaufen.

Rodolphe Lindt ist schon lange tot. Einer verstorbenen Person ist die abwertende Legende so was von egal. Man kann sie gar nicht mehr verspotten. Unter diesem Aspekt richtet sich der Spott einzig und allein an jene Region, in der sich eine besondere Innovationskraft entfaltete. Dort ging man einer typisch schweizerischen Tugend nach und verbesserte die Qualität. So erlangte die Schweiz einen technischen Vorsprung und entwickelte sich zu einer Schokoladennation. Bei der Veredelung von Nahrungsmitteln ist Geduld gefragt. Langsamkeit wurde dadurch zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Weder Profit noch Multiple Hundert spielten eine Rolle. Eine solche Geschichte lässt sich nicht in einer Finanzmetropole schreiben. So stand am Anfang dieser Weltgeschichte nicht die Limmat, sondern die Aare. Im Golden State der Vereinigten Staaten rief ein Bär: «Don’t poke the bear!» Das war Anfang 2025...

Diesem Aufruf bin ich gefolgt und habe das Narrativ eines einzelnen Unternehmens mit dem Sachverhalt aus zwei Gerichtsurteilen verglichen. Auf diese Weise ist eine Gegendarstellung zur Firmenbiografie entstanden. «Schokolade – eine wahre Geschichte» lautet der Titel. Der Fachbegriff dient als Domain der Webseite: www.schmelzschokolade.ch
Schokoladenhauptstadt

Schmelzverfahren

Wer hat sie erfunden? Ein Schweizer namens Rodolphe Lindt im Jahr 1879. Sein Geheimnis aus der Matte konnte bis zum Wechsel ins neue Jahrhundert nicht gelüftet werden. 20 Jahre lang wurde moderne Schokolade nur in seiner Mühle hergestellt. Dank seines Erfindergeists gilt die Schweizer Bundesstadt heute als Geburtsort der Schokolade, so wie man sie auf der ganzen Welt kennt.

Kakao besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Fett. Als Pflanze enthält er aber auch Wasser. Die «ursprünglichen» Schokoladen werden im «Kalten Verfahren» hergestellt. Dabei wird die Masse nur wenig erhitzt. Dadurch ist der Wasseranteil höher. Die Elemente des Kakao-Zucker-Gewürz-Gemisches bleiben daher einzeln und werden schliesslich nur zusammengepresst. Eine «Ur-Schokolade» weist somit eine körnige Struktur und eine härtere Konsistenz auf.

Wasser weist Fett ab. Für die Homogenisierung musste also ein Trennungsproblem gelöst werden. Im Jahr 1828 entwickelte der Niederländer Coenraad van Houten ein Verfahren, um das Fett aus Kakao zu entfernen. Er entölte Kakao. Ohne Fett liess sich das Pulver viel einfacher mit flüssiger Milch verrühren. Van Houtons Erfindung gilt als finaler Durchbruch bei der Entwicklung von Trinkschokolade. Sie ist auch als Niederländisches Verfahren bekannt.

50 Jahre später versuchte Rodolphe Lindt, den Wasseranteil im Kakao zu reduzieren. Bei der Entwicklung nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum war er auf das botanische, biologische, chemische und analytische Wissen seines Vaters angewiesen. Dieser war Apotheker und in dessen Labor konnten die einzelnen Versuche analysiert werden. Ausserdem konnte Rodolphe auf das Fachwissen seines Onkels Charles Kohler zählen, der in Lausanne eine Schokoladenmühle besass. Diese Bündelung von Wissen war damals der entscheidende Unterschied zu anderen Betrieben in der Schweiz. Der Neid gegenüber diesem Vorteil lässt sich noch heute zwischen den Zeilen der Legende finden.

Wenn eine Lösung gefunden ist, können dadurch unter Umständen neue Probleme entstehen. Diese Erfahrung haben Rodolphe und sein Team bei der Entwicklungsarbeit gemacht. Wird Kakaobutter gegen das Austrocknen beigemischt, verflüssigt sich die Masse. Der höhere Fettanteil führt zudem zu einer stärkeren Reaktion des Fetts. Bis zum finalen Durchbruch mussten also mehrere Lösungen gefunden werden. Damit kann ein glücklicher Zufall ausgeschlossen werden. Denn ein mehrstufiges Verfahren lässt sich nicht auf einmal entwickeln. Hinsichtlich der Logik werden die Glaubensjünger der Legende gerne auf die zwei bis drei Phasen verwiesen, in die sich das Conchierverfahren unterteilen lässt.

Nachfolgend ein Vergleich zwischen einer Ur-Schokolade und einer Schmelzschokolade.
Schmelzverfahren

Conchieren

Um das Wasser im Kakao-Zucker-Gemisch reduzieren zu können, musste zuerst einmal die Conchiermaschine entwickelt werden. Die erste Conche hatte ein Antriebsrad, an welchem ein Längsreiber befestigt war. Dieser bestand aus einer Längsachse mit einer Walze (Läufer), welche sich in einem Behälter hin und her bewegte. Nach der Ernte wird Kakao fermentiert. Dadurch können sich die Bitteraromen ausprägen. Danach wir er geröstet, enthäutet, verfeinert und mit Zucker vermischt. Für Milchschokolade würde nun auch noch Kondensmilch oder Milchpulver beigemengt. Aus dem Walzwerk gelangt diese Masse schliesslich in den Behälter, wo sie conchiert wird. Durch das Walzen wird sie noch feiner. Damit Wasser verdampfen kann, wird der Behälter zusätzlich erhitzt. Je weniger Wasser in einer Masse enthalten ist, desto trockener wird sie. Ausgetrocknetes Kakao-Zucker-Gemisch würde theoretisch steinhart. Somit musste auch noch eine Lösung gegen das Austrocknen erarbeitet werden. Indem während des Conchierens Kakaofett (Kakaobutter) hinzugefügt wurde, konnte auch dieses Problem gelöst werden. Durch den erhöhten Fettgehalt verflüssigt sich die Masse. Die Walze geht nun vom Verfeinern ins Rühren über. Mit der Verdampfung entweichen jetzt auch unerwünschte Aromastoffe. Das Conchierverfahren verbesserte somit nicht nur die Struktur, sondern auch den Geschmack einer Schokolade. Diese Aromen entwickeln sich bei der Fermentation und sind teils sauer. Bei Ur-Schokoladen werden Gewürze verwendet, um diesen Sauergeschmack zu neutralisieren.

Beim Conchieren gilt es verschiedene Parameter zu beachten. Je länger eine Masse in der Conche bearbeitet wird, desto mehr Aromen verflüchtigen sich. Eine zu lang conchierte Schokolade würde ihren Charakter verlieren. Damit der Zucker nicht karamellisiert, ist bei der Temperatur Vorsicht geboten. Entsprechend dauert es länger, bis genügend Wasser reduziert ist. Typisch für eine Veredelung lag die ursprüngliche Conchierzeit einer Produktionscharge zwischen zwei und drei Arbeitstagen.
Eine Conchiermaschine mit einem Laengsreiber und einem muschelfoermigen Trog, in welchem die Kakaomasse bearbeitet wird.
Abgebildet ist eine Längsreibe-Conche, die dem Original von R. Lindt nachempfunden ist.
Video
Model einer Conche im Einsatz.
Schmelzverfahren

Temperieren

Aufgrund des erhöhten Fettanteils ist die Reaktion der Elemente nach dem Aushärten der conchierten Masse stärker. Durch die unkontrollierte Kristallisation würde das Fett in Form von grauweissen Spuren an der Oberfläche der Schokolade sichtbar, weil es sich von den anderen Elementen abgetrennt hat. Damit ist der Fettreif gemeint. Nur mit einem weiteren Verfahren konnte auch dieses Trennungsproblem gelöst werden. Indem die conchierte Masse auf rund 27 Grad heruntergekühlt und danach wieder auf 32 bis 34 Grad Celsius erhitzt wird, können die Fettkristalle stabilisiert werden. Durch die Stabilisierung bleiben die Elemente auch in der ausgehärteten Schokoladenmasse zusammen. Das Temperaturintervall verleiht der Schokolade aber auch genügend Stabilität und eine glänzende Oberfläche.

Für das Temperieren gibt es verschiedene Methoden. Bei der Produktion wird direkt im Behälter der Conche temperiert. Hierfür kommt die Impfmethode zur Anwendung. Um die Masse abzukühlen, wird kühlere Masse beigegeben. Danach wird die Masse nochmals erhitzt. Bei der Verarbeitung kann auf die Tabliermethode zurückgegriffen werden. Dabei wir ein Teil der geschmolzenen Masse auf einer Marmorplatte mit elegantem Handwerk bearbeitet. Auf diese Weise kühlt sie ab und kann schliesslich wieder der restlichen Schokoladenmasse untergezogen werden.
Das Conchieren der Kakaomasse erfordert sehr viel Achtsamkeit und Geduld.
Schmelzverfahren

Schokoladengiessen

Die Masse für Ur-Schokoladen ist in der Konsistenz härter (pastös). Für die Befüllung wurde sie früher daher in Formen gepresst. Durch die Beigabe von Kakaobutter während des Conchierens wird die Masse zähflüssig. Dank der höheren Fliesseigenschaft (tiefe Viskosität) kann eine conchierte Schokoladenmasse nach dem Temperieren in Formen gegossen werden.

Für die Schmelzschokolade mussten also nicht nur eine, sondern gleich mehrere harte Nüsse geknackt werden. Die Wasser-Fett-Unverträglichkeit bei der Kakaoverarbeitung war ein komplexes Problem, welches nur mit einem mehrstufigen Verfahren gelöst werden konnte. Somit sind gleich mehrere Schritte in der globalen Schokoladenentwicklung auf die Arbeit von R. Lindt und seinem Team zurückzuführen.

Mit der Absicht das Genusserlebnis zu erhöhen, konnte man mehrere Trennungsprobleme lösen. Im Kern dieser Pionierleistung steht die Verschmelzung. Also die Homogenisierung der Struktur oder die Vereinigung einzelner Teilchen zu einem Ganzen. Leider wurde dieses vereinende Kernelement teilweise übersehen. Gewisse Texte bezwecken nämlich eher die Trennung. Unter Schmelzschokolade wird dieser negative Aspekt näher erörtert.

Dank der Vielfalt an Schokoladenmacher ist diese Geschichte einzigartig in der Schweiz. Es sind aber auch namhafte Schokoladenfabrikanten darunter. Nur an wenigen Orten wird heute noch im Kalten Verfahren produziert. Die allermeisten Schokoladen haben eine Schmelzeigenschaft, weil sie im Schmelzschokoladenverfahren hergestellt werden. Die Bundesstadt der Schweiz ist somit der Geburtsort der Schokolade, so wie sie heute rund um den Globus genossen wird. Somit besitzt diese Schokoladengeschichte qualitative Merkmale, um sich auch mit internationalen Schokoladenstädten messen zu lassen.

Wunderschokolade

Wer hat sie erfunden? Ein Bundesstädter namens Lindt...
Schokoladenhauptstadt

Chocolat Fondant

Ein Produkt entwickelt sich weiter, indem einzelne Meilensteine verbessert werden. Erst wenn sich ein Meilenstein über einen längeren Zeitraum hinweg bewährt hat, kann von einem finalen Durchbruch gesprochen werden. Bei der globalen Entwicklung eines Produkts gilt die Person als Erfinderin oder Erfinder, die oder der den finalen Meilenstein gesetzt hat. In den meisten Fällen profitierten sie von den vorherigen Meilensteinen, die von anderen Vorreitern oder Vorreiterinnen gesetzt wurden.

Rodolphe Lindt erlernte das Handwerk bei der Familie Kohler in Lausanne, mit der er verwandt war. Nach seiner Zeit in der französischsprachigen Schweiz entwickelte er im Jahr 1879 ein Verfahren, bei dem die einzelnen Elemente in der Masse auf chemische Weise miteinander verschmelzen. So gelang ihm erstmals die Homogenisierung der Schokoladenstruktur. Da Schokolade damals eine krümelige bis körnige Struktur hatte, unterschied sich seine neuartige Kreation im Wesentlichen durch ihre einzigartige Schmelzeigenschaft. In der Kommunikation wollte er dieses Alleinstellungsmerkmal besonders hervorheben. Deshalb wählte er den Namen «Chocolat Fondant», was auf Deutsch Schmelzschokolade bedeutet.

P. Zipperer verwendet den Begriff «Schmelzschokolade» zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seinem Fachbuch, um eine Abgrenzung zur um 1900 üblichen Schokolade zu schaffen. Er hält zudem fest, dass das neuartige Verfahren damals nur vereinzelt in der Schweiz angewendet wurde. In der deutschen Verordnung über Kakao und Kakaoerzeugnisse aus dem Jahr 1933 wird Schmelzschokolade erstmals lebensmittelrechtlich definiert. Dadurch etablierte sich die Bezeichnung als Fachbegriff. In der später erschienenen Fachliteratur von H. Fincke zählt die von Rodolphe Lindt entwickelte Technik zum Standardverfahren in der Schokoladenproduktion. Dies zeigt, dass sich die Chocolat Fondant weltweit durchsetzen konnte. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung wird Schmelzschokolade heute schlicht «Schokolade» genannt. Die Chronologie macht aber deutlich, dass selbst die heutige Bezeichnung auf den Namen zurückzuführen ist, den der Erfinder für sein Produkt im Jahr 1879 wählte. Sowohl die Erfindung an sich als auch der Name weisen somit eine bemerkenswerte Entwicklung auf. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade nur das Birchermüsli ein, das ebenso aus der Schweiz stammt und eine ähnlich beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen hat. Ein weiteres Beispiel für einen starken Namen ist «Natel», den die ehemalige PTT und heutige Swisscom als Synonym für Mobiltelefone etablieren konnte. Dies betraf jedoch nur die Schweiz.

Bei der Erfindung der Milchschokolade durch Daniel Peter in Vevey war Rodolphe Lindt jedoch nur ein Vorreiter. Da am Lac Leman aber auch das Schmelzverfahren angewendet wurde, handelt es sich dabei nur um einen Schokoladentyp. So weist nämlich auch die Variante mit Milch eine Schmelzeigenschaft auf. Die Erfindung in Vevey lässt sich zeitlich aber nur ungefähr einordnen. Sie kann erst ein paar Jahre nach 1879 erfolgt sein.

R. Rossfeld hielt bereits im Jahr 2007 in seinem Buch «Schweizer Schokolade» fest, dass Rodolphe Lindts Innovation eine typisch produktorientierte war, welche die Qualität des Produkts verbesserte, zugleich aber auch die Herstellungskosten erhöhte. Eigentlich würde diese Erfindung perfekt zum Swiss-Made-Gütesiegel passen. Trotzdem wird diese Schweizer Pionierleistung oft auf eine Legende reduziert, in der dem Erfinder ein Fehler unterstellt wird.

Die Ironie dieser tragischen Geschichte ist, dass die Legende selbst der einzige nachweisbare Fehler ist. Der Logik der Urheber folgend soll der Prototyp einer Conche wie eine moderne Waschmaschine funktioniert haben. Das Conchierprogramm soll dabei besonders praktisch gewesen sein. Es liess sich nämlich auf exakt 72 Stunden einstellen. So konnte man sich an den Wochenenden unbemerkt auf «galante Abenteuer» begeben und am Montag die Früchte – bzw. die Schokolade – ernten. So stellt man sich «das wahre Schoggileben» in der Limmatstadt also vor. Damit wird der eigenen Kundschaft weisgemacht, dass der Erfolg in der Schokoladenhauptstadt nur mit Glück möglich war.

Als ob das alles nicht schon genug wäre, werden Rodolphe Lindt auch noch krumme Machenschaften angedichtet. So soll sein Glückstreffer auch noch unverdient gewesen sein. Dadurch verliert seine Erfindung endgültig an Glanz. Damit geht in der globalen Schokoladenentwicklung aber auch die Bedeutung seiner Geburtsstadt unter. Doch auch bei der Verwendung eines Waschprogramms können Anwenderfehler auftreten. So kann sich helle Wäsche beispielsweise braun färben, wenn die Temperatur zu hoch ist. Rodolphe hat jedoch eine saubere Weste, denn ihm wäre ein solcher Fehler niemals unterlaufen.

Rodolphe Lindt ist schon lange tot. Einer verstorbenen Person ist die abwertende Legende so was von egal. Man kann sie gar nicht mehr verspotten. Unter diesem Aspekt richtet sich der Spott einzig und allein an jene Region, in der sich eine besondere Innovationskraft entfaltete. Dort ging man einer typisch schweizerischen Tugend nach und verbesserte die Qualität. So erlangte die Schweiz einen technischen Vorsprung und entwickelte sich zu einer Schokoladennation. Bei der Veredelung von Nahrungsmitteln ist Geduld gefragt. Langsamkeit wurde dadurch zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Weder Profit noch Multiple Hundert spielten eine Rolle. Eine solche Geschichte lässt sich nicht in einer Finanzmetropole schreiben. So stand am Anfang dieser Weltgeschichte nicht die Limmat, sondern die Aare. Im Golden State der Vereinigten Staaten rief ein Bär: «Don’t poke the bear!» Das war Anfang 2025...

Diesem Aufruf bin ich gefolgt und habe das Narrativ eines einzelnen Unternehmens mit dem Sachverhalt aus zwei Gerichtsurteilen verglichen. Auf diese Weise ist eine Gegendarstellung zur Firmenbiografie entstanden. «Schokolade – eine wahre Geschichte» lautet der Titel. Der Fachbegriff dient als Domain der Webseite: www.schmelzschokolade.ch
Schokoladenhauptstadt

Schmelzverfahren

Wer hat sie erfunden? Ein Schweizer namens Rodolphe Lindt im Jahr 1879. Sein Geheimnis aus der Matte konnte bis zum Wechsel ins neue Jahrhundert nicht gelüftet werden. 20 Jahre lang wurde moderne Schokolade also nur in seiner Mühle hergestellt. Dank seines Erfindergeists gilt die Schweizer Bundesstadt heute als Geburtsort der Schokolade, so wie man sie auf der ganzen Welt kennt.

Kakao besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Fett. Als Pflanze enthält er aber auch Wasser. Die «ursprünglichen» Schokoladen werden im «Kalten Verfahren» hergestellt. Dabei wird die Masse nur wenig erhitzt. Dadurch ist der Wasseranteil höher. Die Elemente des Kakao-Zucker-Gewürz-Gemisches bleiben daher einzeln und werden schliesslich nur zusammengepresst. Eine «Ur-Schokolade» weist somit eine körnige Struktur und eine härtere Konsistenz auf.

Wasser weist Fett ab. Für die Homogenisierung musste also ein Trennungsproblem gelöst werden. Im Jahr 1828 entwickelte der Niederländer Coenraad van Houten ein Verfahren, um das Fett aus Kakao zu entfernen. Er entölte Kakao. Ohne Fett liess sich das Kakaopulver wesentlich einfacher mit flüssiger Milch verrühren. Van Houtons Erfindung gilt als der finale Durchbruch bei der Entwicklung von Trinkschokolade. Sie ist auch als Niederländisches Verfahren bekannt.

50 Jahre später versuchte Rodolphe Lindt, den Wasseranteil im Kakao zu reduzieren. Bei der Entwicklung nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum war er auf das botanische, biologische, chemische und analytische Wissen seines Vaters angewiesen. Dieser war Apotheker und in dessen Labor konnten die einzelnen Versuche analysiert werden. Ausserdem konnte Rodolphe auf das Fachwissen seines Onkels Charles Kohler zählen, der in Lausanne eine Schokoladenmühle besass. Diese Bündelung von Wissen war damals der entscheidende Unterschied zu anderen Betrieben in der Schweiz. Der Neid gegenüber diesem Vorteil lässt sich noch heute zwischen den Zeilen der Legende finden.

Wenn eine Lösung gefunden ist, können dadurch unter Umständen neue Probleme entstehen. Diese Erfahrung haben Rodolphe und sein Team bei der Entwicklungsarbeit gemacht. Wird Kakaobutter gegen das Austrocknen beigemischt, verflüssigt sich die Masse. Der höhere Fettanteil führt zudem zu einer stärkeren Reaktion des Fetts. Bis zum finalen Durchbruch mussten also mehrere Lösungen gefunden werden. Damit kann ein glücklicher Zufall ausgeschlossen werden. Denn ein mehrstufiges Verfahren lässt sich nicht auf einmal entwickeln. Hinsichtlich der Logik werden die Glaubensjünger der Legende gerne auf die zwei bis drei Phasen verwiesen, in die sich das Conchierverfahren unterteilen lässt.

Nachfolgend ein Vergleich zwischen einer Ur-Schokolade und einer Schmelzschokolade.
Schmelzverfahren

Conchieren

Um das Wasser im Kakao-Zucker-Gemisch reduzieren zu können, musste zuerst einmal die Conchiermaschine entwickelt werden. Die erste Conche hatte ein Antriebsrad, an welchem ein Längsreiber befestigt war. Dieser bestand aus einer Längsachse mit einer Walze (Läufer), welche sich in einem Behälter hin und her bewegte. Nach der Ernte wird Kakao fermentiert. Dadurch können sich die Bitteraromen ausprägen. Danach wir er geröstet, enthäutet, verfeinert und mit Zucker vermischt. Für Milchschokolade würde nun auch noch Kondensmilch oder Milchpulver beigemengt. Aus dem Walzwerk gelangt diese Masse schliesslich in den Behälter, wo sie conchiert wird. Durch das Walzen wird sie noch feiner. Damit Wasser verdampfen kann, wird der Behälter zusätzlich erhitzt. Je weniger Wasser in einer Masse enthalten ist, desto trockener wird sie. Ausgetrocknetes Kakao-Zucker-Gemisch würde theoretisch steinhart. Somit musste auch noch eine Lösung gegen das Austrocknen erarbeitet werden. Indem während des Conchierens Kakaofett (Kakaobutter) hinzugefügt wurde, konnte auch dieses Problem gelöst werden. Durch den erhöhten Fettgehalt verflüssigt sich die Masse. Die Walze geht nun vom Verfeinern ins Rühren über. Mit der Verdampfung entweichen jetzt auch unerwünschte Aromastoffe. Das Conchierverfahren verbesserte somit nicht nur die Struktur, sondern auch den Geschmack der Schokolade. Diese Aromen entwickeln sich bei der Fermentation und sind teils sauer.

Bei Ur-Schokoladen werden Gewürze verwendet, um diesen Sauergeschmack zu neutralisieren. Beim Conchieren gilt es verschiedene Parameter zu beachten. Je länger eine Masse in der Conche bearbeitet wird, desto mehr Aromen verflüchtigen sich. Eine zu lang conchierte Schokolade würde ihren Charakter verlieren. Damit der Zucker nicht karamellisiert, ist bei der Temperatur Vorsicht geboten. Entsprechend dauert es länger, bis genügend Wasser reduziert ist. Typisch für eine Veredelung lag die ursprüngliche Conchierzeit einer Produktionscharge zwischen zwei und drei Arbeitstagen.
Eine Conche mit einem Laengsreiber und einem muschelfoermigen Trog, in welchem der Kakao bearbeitet wird.
Abgebildet ist eine Längsreibe-Conche, die dem Original von R. Lindt nachempfunden ist.
Video
Model einer Conche im Einsatz.
Schmelzverfahren

Temperieren

Aufgrund des erhöhten Fettanteils ist die Reaktion der Elemente nach dem Aushärten der conchierten Masse stärker. Durch die unkontrollierte Kristallisation würde das Fett in Form von grauweissen Spuren an der Oberfläche der Schokolade sichtbar, weil es sich von den anderen Elementen abgetrennt hat. Damit ist der Fettreif gemeint. Nur mit einem weiteren Verfahren konnte auch dieses Trennungsproblem gelöst werden. Indem die conchierte Masse auf rund 27 Grad heruntergekühlt und danach wieder auf 32 bis 34 Grad Celsius erhitzt wird, können die Fettkristalle stabilisiert werden. Durch die Stabilisierung bleiben die Elemente auch in der ausgehärteten Schokoladenmasse zusammen. Das Temperaturintervall verleiht der Schokolade aber auch genügend Stabilität und eine glänzende Oberfläche.

Für das Temperieren gibt es verschiedene Methoden. Bei der Produktion wird direkt im Behälter der Conche temperiert. Hierfür kommt die Impfmethode zur Anwendung. Um die Masse abzukühlen, wird kühlere Masse beigegeben. Danach wird die Masse nochmals erhitzt. Bei der Verarbeitung kann auf die Tabliermethode zurückgegriffen werden. Dabei wir ein Teil der geschmolzenen Masse auf einer Marmorplatte mit elegantem Handwerk bearbeitet. Auf diese Weise kühlt sie ab und kann schliesslich wieder der restlichen Schokoladenmasse untergezogen werden.
Conchieren erfordert sehr viel Geduld und Achtsamkeit.
Schmelzverfahren

Schokoladengiessen

Die Masse für Ur-Schokoladen ist in der Konsistenz härter (pastös). Für die Befüllung wurde sie früher daher in Formen gepresst. Durch die Beigabe von Kakaobutter während des Conchierens wird die Masse zähflüssig. Dank der höheren Fliesseigenschaft (tiefe Viskosität) kann eine conchierte Schokoladenmasse nach dem Temperieren in Formen gegossen werden.

Für die Schmelzschokolade musste nicht nur eine, sondern gleich mehrere harte Nüsse geknackt werden. Die Wasser-Fett-Unverträglichkeit bei der Kakaoverarbeitung war ein komplexes Problem, welches nur mit einem mehrstufigen Verfahren gelöst werden konnte. Somit sind gleich mehrere Schritte in der globalen Schokoladenentwicklung auf die Arbeit von R. Lindt und seinem Team zurückzuführen. Mit der Absicht das Genusserlebnis zu erhöhen, konnte man mehrere Trennungsprobleme lösen. Im Kern dieser Pionierleistung steht die Verschmelzung. Also die Homogenisierung der Struktur oder die Vereinigung einzelner Teilchen zu einem Ganzen. Leider wurde dieses vereinende Kernelement teilweise übersehen. Gewisse Texte bezwecken nämlich eher die Trennung. Unter Schmelzschokolade wird dieser negative Aspekt näher erörtert.

Dank der Vielfalt an Schokoladenmacher ist diese Geschichte einzigartig in der Schweiz. Es sind aber auch namhafte Schokoladenfabrikanten darunter. Nur an wenigen Orten wird heute noch im Kalten Verfahren produziert. Die allermeisten Schokoladen haben eine Schmelzeigenschaft, weil sie im Schmelzschokoladenverfahren hergestellt werden. Die Bundesstadt der Schweiz ist somit der Geburtsort der Schokolade, so wie sie heute rund um den Globus genossen wird. Somit besitzt diese Schokoladengeschichte qualitative Merkmale, um sich auch mit internationalen Schokoladenstädten messen zu lassen.

Wunderschokolade

Wer hat sie erfunden? Ein Bundesstädter namens Lindt...
chocolat fondant

Abstract

Dieses Manifest in Form einer Gegendarstellung dreht sich um die bekannteste Biografie von R. Lindt, welche im Buch mit dem Titel «Patriarchen» zu finden ist. Ein angeblicher «Lebemann» geniesst das «Wochenende». Ein vermeintlicher «Zufall» könnte dem «Anfängerglück» zu verdanken sein. Im biografischen Text sind weitere Abwertungen mit der Legende eines «Zufallswochenendes» verknüpft. Ausserdem stehen mehrere Behauptungen im Widerspruch zu den Gerichtsurteilen aus den Jahren 1909 und 1927. Gemäss dem rechtlichen Sachverhalt wurde R. Lindt nämlich nicht verurteilt.


Die negative Darstellung lässt sich damit erklären, dass sie teilweise auf der subjektiven Wahrnehmung seiner Gegenspieler beruht. Obschon R. Lindt der wichtigste Schokoladenpionier der Schweiz war, ist seine Geschichte sogar in seiner Geburtsstadt vergessen gegangen. In Tat und Wahrheit konnte sich sein Verfahren aber weltweit als Pionierleistung durchsetzen. Aus diesem Grund wird die Schmelzschokolade heute schlicht und einfach «Schokolade» genannt. Diese Arbeit soll den Meister der Verschmelzung rehabilitieren und dieses kulinarische Kulturgut würdigen.
Diese Fabrik stellte Schmelzschoggi her und stand direkt am Ufer der Aare.
Matrosen und Piraten aus dem Schwarzen Quartier... Oder eine unerwähnte Verwaltungsratssitzung mit Trennungspotenzial... Das sind wichtige Punkte, welche in den bisherigen Biografien im Dunkeln geblieben sind. Nur wenn dieser Teil etwas genauer unter die Luppe genommen wird, ist eine ganzheitliche Betrachtung dieser Schweizer Schokoladengeschichte möglich.
chocolat fondant

Abstract

Dieses Manifest in Form einer Gegendarstellung dreht sich um die bekannteste Biografie von R. Lindt, welche im Buch mit dem Titel «Patriarchen» zu finden ist. Ein angeblicher «Lebemann» geniesst das «Wochenende». Ein vermeintlicher «Zufall» könnte dem «Anfängerglück» zu verdanken sein. Im biografischen Text sind weitere Abwertungen mit der Legende eines «Zufallswochenendes» verknüpft. Ausserdem stehen mehrere Behauptungen im Widerspruch zu den Gerichtsurteilen aus den Jahren 1909 und 1927.


Gemäss dem rechtlichen Sachverhalt wurde R. Lindt nämlich nicht verurteilt.

Die negative Darstellung lässt sich damit erklären, dass sie teilweise auf der subjektiven Wahrnehmung seiner Gegenspieler beruht. Obschon R. Lindt der wichtigste Schokoladenpionier der Schweiz war, ist seine Geschichte sogar in seiner Geburtsstadt vergessen gegangen. In Tat und Wahrheit konnte sich sein Verfahren aber weltweit als Pionierleistung durchsetzen. Aus diesem Grund wird die Schmelzschokolade heute schlicht und einfach «Schokolade» genannt. Diese Arbeit soll den Meister der Verschmelzung rehabilitieren und dieses kulinarische Kulturgut würdigen.
Schmelzschokolade wurde auch in dieser Fabrik hergestellt, welche am Ufer der Aare stand.
Matrosen und Piraten aus dem Schwarzen Quartier... Oder eine unerwähnte Verwaltungsratssitzung mit Trennungspotenzial... Das sind wichtige Punkte, welche in den bisherigen Biografien im Dunkeln geblieben sind. Nur wenn dieser Teil etwas genauer unter die Luppe genommen wird, ist eine ganzheitliche Betrachtung dieser Schweizer Schokoladengeschichte möglich.
Made on
Tilda