schokoladenhauptstadt

Glossar

Die Quellen zur umfangreichen Geschichte der Schweizer Schokoladenhauptstadt sind hier nach Abschnitten geordnet. Dieser Teil der Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Die Übersicht wird Schritt für Schritt ergänzt. Im Nachwort meiner Gegendarstellung habe ich bereits erwähnt, dass die wahre Geschichte über Rodolphe Lindt nicht im Interesse aller sein kann.

Die Schmelzschokolade wurde an der Aare entwickelt. Damit wurde ein Trennungsproblem gelöst; sie weist daher eine vereinende Eigenschaft auf. Profit spielte dabei keine Rolle – im Zentrum stand ausschliesslich die Qualitätsverbesserung, sprich der Genussmoment der Kunden. Dank diesem kulinarischen Idealismus wurde die Schweiz zu einem Schokoladenland. Es handelt sich somit um eine schweizerische Errungenschaft. Demgegenüber ist die Legende destruktiv, weil sie all diese positiven Punkte abwertet. Sie wurde am Zürichsee erfunden. Dort gelang die anspruchsvolle Verschmelzung des Kakaos jedoch nicht. Trotzdem konnte man sich die Chocolat Fondant leisten, weil vor 1899 genügend Profit erzielt worden war. Aufgrund der unterschiedlichen Erfindungsorte der polarisierenden Legende und der vereinenden Schmelzschokolade erstaunt es daher nicht, dass die negativen Reaktionen auf meine Publikation ausschliesslich aus Zürich kommen.

Die Quellenübersicht beginnt daher mit einer alltäglichen Verkehrsmeldung, in welcher der Löwe im Zentrum steht. Erst danach folgen die positiven Punkte, durch die sich die Stausituation zwischen Aare und Limmat beruhigen kann.
Quellen zur Einleitung

Wissensstau am Baregg: Und täglich grüsst die Limmatstadt

Warum ist der Artikel «Das wahre Schoggileben» fragwürdig?

«Schokolade: Eine wahre Geschichte» lautet der Titel meiner im Herbst 2025 publizierten Gegendarstellung. Darin rate ich dringend davon ab, die Legende der zufälligen Erfindung des Conchierens weiter zu verbreiten – denn sie entwertet die Pionierleistung aus der Bundesstadt. Unter der Überschrift «Das wahre Schoggileben» griff das Migros-Magazin im Frühjahr jedoch genau diese Abwertung auf. Angesichts des plötzlichen Todes von August Lindt und der menschlichen Schicksale durch die Schliessung des Standortes an der Aare stellt sich nun die Frage, wie «charmant» hier zu deuten ist. Die doch sehr ähnliche Titelwahl wirkt hingegen eher süffisant. Soll damit eine gewisse Macht signalisiert werden? Davon lassen sich Bären jedoch nicht einschüchtern, und auch Spott bringt sie nicht aus der Ruhe. Gelassen nehmen sie zur Kenntnis, dass der Migros-Genossenschafts-Bund einem zweifelhaften Narrativ folgt. Offensichtlich gewichtet er die Interessen eines einzelnen Lieferanten höher als jene der Kundschaft der Migros Aare – der immerhin grössten aller zehn Genossenschaften. Das ist das einzig Erstaunliche an dieser Aktion des Kundenmagazins.

Gerne betone ich an dieser Stelle: «Eine wahre Geschichte» stützt sich auf die Wahrheit, wie sie das kantonale Obergericht festgestellt hat. Ob meine Gegendarstellung stilistisch perfekt und vollkommen fehlerfrei ist, steht auf einem anderen Blatt. In dieser Sache spielt das eine untergeordnete Rolle. Ich bin weder Autor noch Journalist. Ich führe selbständig einen Betrieb und habe letztes Jahr viele Gäste durch die lokale Schokoladengeschichte begleitet. In den Randzeiten schrieb ich am Text. Hierfür habe ich nicht einfach ein Narrativ kopiert, sondern meine eigene Recherche verarbeitet. Der springende Punkt war, dass ich mich nicht von meinem Kurs abbringen liess. Nur so konnte die Wahrheit ans Licht kommen und der Weg für eine historisch fundierte Einordnung geebnet werden - damit die Bevölkerung entlang der Aare den Pioniergeist von Rodolphe Lindt wieder als das schätzen kann, was er war: Eine herausragende Leistung für die Schweizer Kulinarik!
Erfolg nur durch Zufall? Die ähnliche Titelwahl lässt vermuten, dass die tragischen Hintergründe keineswegs unbekannt waren. Das verleiht dem «Charme» eine fragwürdige Doppelbödigkeit, die auf die Bevölkerung an der Aare geradezu süffisant wirken muss.
  • Quellenangabe

    Migros-Magazin, Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich
    Webseite: https://magazine.migros.ch/de.html
    Ausgabe: Nr. 20 vom 13. Mai 2026
    Seiten: 32/33
    Titel: Das wahre Schoggileben

Warum sind Rückmeldungen zum SRF DOK «Schweiz und die Schokolade» wichtig?

Nach der Veröffentlichung der Gegendarstellung habe ich ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten. Die Zufallslegende ist inhaltlich falsch und wurde von den Siegern erfunden. Damit wird die Leistung der Verliererseite abgewertet, die von harten Schicksalsschlägen getroffen wurde. Bisher habe ich mich aber noch nicht klar genug ausgedrückt. Daher habe ich auf die Hilfe von KI zurückgegriffen, um die ausgrenzende Wirkung der Legende aus meiner Sicht darzustellen:

Das schadlose Ziel: Eine verstorbene Person besitzt kein Bewusstsein und kann daher keine Kränkung mehr empfinden. Also zielt die abwertende Legende ins Leere, weil Rodolphe Lindt selbst nicht mehr getroffen werden kann.

Die kollektive Entwertung: Der Glückstreffer wertet aber nicht nur die Person ab, sondern stellt auch die eigentliche Leistung infrage. Denn eine Tätigkeit, die sich mit Nichtstun definiert, könnte jeder ausführen. Wenn eine bahnbrechende Innovation zum blossen Zufallstreffer degradiert wird, verliert nicht nur der Ort, an dem sie erfunden wurde, seine historische Strahlkraft, sondern auch der Berufsstand, der sie hervorgebracht hat, an Wertschätzung. Damit trifft die Legende nicht nur eine einzelne Person, sondern den Innovationsgeist und das kulturelle Erbe einer gesamten Region und Berufsgruppe.

Fazit: Da die abwertende Zufallslegende ihr vermeintliches Einzelziel verfehlt, entfaltet sie ihre Wirkung auf der Systemebene. Sie degradiert das kollektive Erbe einer Gemeinschaft und wirkt ausgrenzend, indem sie einer ganzen Region ihren historischen Beitrag zur globalen Schokoladenentwicklung abspricht – was wiederum erklärt, warum der Geburtsort der modernen Schokolade heute so wenig bekannt ist. Gleichzeitig vereinfacht die Legende das Handwerk und entwertet somit auch die Leistung der Schokoladenmacher selbst. Angesichts des tragischen Vorfalls im Dezember 1927 erhält die Erzählung zudem eine zynische Note. Eine solche Abwertung kann deshalb keinesfalls als blosser Witz gemeint sein.

In «Schweiz und Schokolade» wird diese abwertende Legende dennoch präsentiert. Das unsachliche Interview mit dem Autor von Patriarchen habe ich am Ende dieses Abschnitts schriftlich festgehalten. An den Stellen, an denen das Gespräch eine falsche Sachlichkeit erhält, sind Kommentare angebracht. Es zeugt von einer gewissen Ignoranz, dass der DOK-Beitrag trotz seiner fehlenden Sachlichkeit nach wie vor online ist. Damit sorgt das Schweizer Fernsehen weiterhin für Verwirrung. Denn der zweifelhafte SRF-Beitrag wird mittlerweile auch von «Education 21» angeboten.

Das Onlinangebot dieser Stiftung richtet sich ausgerechnet an Schulen. Bezieht sich «Bildung 21» auf den Stiftungszweck oder handelt es sich dabei um ein reines Marketingwort? Der fehlerhafte und potenziell ausgrenzende Beitrag lässt jedenfalls Zweifel an einem Bildungsauftrag aufkommen. Falls ein solcher aber tatsächlich vorhanden ist, stellt sich die Frage, ob dieser verantwortungsvoll genug umgesetzt wird.

Rückmeldungen zum fragwürdigen Film sollten aber nicht an mich, sondern direkt an SRF DOK gerichtet werden. So kann die zuständige Redaktion entscheiden, ob Missverständnisse wie bei Education 21 künftig vermieden werden sollen.

Apropos das Thema Fair-Trade im Film: Der Hinweis auf Fairafric kann als Höhepunkt bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um ein junges Unternehmen, das Schokolade in Ghana herstellt. Durch die Nähe zu den Kakaobauern wird die Lieferkette verkürzt. Dadurch ist wesentlich mehr Transparenz gewährleistet. Zudem bleibt so ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung im Ursprungsland des Rohstoffs. Meiner Meinung nach ist das die grösste Innovation der letzten 50 Jahre im Schokoladenmarkt. Es existiert also bereits ein Praxisbeispiel, das als Lösung des Fairtrade-Problems präsentiert werden kann. Leider hat sich die Filmcrew dafür entschieden, diesen wichtigen Punkt erst am Schluss zu thematisieren. Hat man in gewissen Kreisen Angst vor dieser revolutionären Idee? Denn nur weil «Fair-Trade» draufsteht, muss dieser DOK-Beitrag noch lange nicht fair gemeint sein. Ein Schelm, wer jetzt an ein Waschprogramm denkt. Wer sich aber für das innovative Konzept aus Afrika interessiert, dem sei der Beitrag auf Youtube empfohlen: Arte Reportage – Schokolade ohne Reue.
Die Schweiz und die Schokolade
Unsachlichkeit mit sachlichem Glanz durch SRF DOK: Zunächst ein rein fiktives Video, danach folgt das kommentierte Interview zum Nachlesen. Das Originalgespräch ist online auf Play SRF unter dem oben genannten Titel ab Minute 13 zu finden.

Fiktives Off-Record-Gespräch

Dieser Dialog ist frei erfunden und hätte vor dem Interview stattfinden können. Dabei schlüpfe ich in die Rolle des Zürchers, der ein Teil des wohl schokoladigsten Ensembles der Schweiz ist. Die tragischen Ereignisse lassen in dieser Geschichte keine Ironie zu. Sollte die Legende dennoch einen Witz darstellen, wäre dieser äusserst geschmacklos. Solange keine nachvollziehbaren Absichten erkennbar sind, müssen diese frei interpretiert werden. Fakt ist, dass die Zufallslegende die Bedeutung der hiesigen Schokoladengeschichte stark herabsetzt. Zudem fallen die Freischaltung der Webseite für die Schokoladenhauptstadt und das Interview zeitlich beinahe zusammen. Wie man weiss, glaubt man auf der einen Seite an Zufälle. Auf der anderen jedoch weniger.

SRF DOK steht für Dokumentationen des Schweizer Fernsehens. Allein schon wegen des Sendungsformats geht das Publikum von einer gewissen Sachlichkeit aus. Im Beitrag über die Schweiz und die Schokolade wird der Autor von «Patriarchen» interviewt. Dieses Buch enthält Kurzbiografien über 10 Schweizer Wirtschaftspioniere. Im ersten Kapitel wird Rodolphe Lindt thematisiert. Anstelle seines richtigen Namens wird der Autor als Gottlieb Biedermann bezeichnet. Dabei handelt es sich um die Hauptfigur aus dem gleichnamigen Drama Biedermann und die Brandstifter. Dieses Drama wurde von Max Frisch geschrieben und sein Inhalt ist leider wieder brandaktuell geworden. In der Einleitung des Interviews wird darauf hingewiesen, dass Gottlieb Biedermann für seine «akribischen historischen» Recherchen bekannt ist. Damit soll wohl die Glaubwürdigkeit des Schriftstellers hervorgehoben werden. Der unseriöse Gesprächsinhalt erhält dadurch einen sachlichen Glanz. Diese künstliche Aufwertung ist für das Publikum jedoch kaum erkennbar.
Einleitung: Gottlieb Biedermann ist ein Mann, der anscheinend alles richtig gemacht hat. Er ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Schweiz und besitzt seine eigene Kneipe. Seine Bücher werden immer wieder gerühmt für die akribischen historischen Recherchen. Er porträtierte auch Rudolf Lindt.

Falsch: In diesem konkreten Fall kann keine Rede von «akribisch» oder «historisch» sein. Damit wird dem Fernsehpublikum bereits zu Beginn des Gesprächs ein Bär aufgebunden. Denn die Recherche beschränkte sich auf das Umformulieren subjektiver Firmenbiografien (125 Jahre Freude schenken bzw. 150 Jahre Freude schenken). Leider erfährt das Publikum nicht, dass es einen langjährigen Streit zwischen den Nachfahren von Rodolphe Lindt und den Verfassern dieser zwei Biografien gegeben hatte. Es handelt sich somit keineswegs um objektive Texte. Ebenso wenig erfährt man, dass zwei nachlässige Fehler in «Patriachen» enthalten sind. Gottlieb Biedermann behauptet darin nämlich, dass Rodolphe Lindt verurteilt wurde, und er ordnet den Tod seines jüngeren Bruders zeitlich falsch ein. Durch die falsche Chronologie wird die Familientragödie verharmlost. So kann die Legende auch ironisch interpretiert werden. Durch die angebliche Verurteilung wird dem Pionier zudem die Vorbildfunktion genommen. Angesichts der Tragödie und ihrer Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung kann die Legende als zynisch bezeichnet werden. Die Gerichtsurteile aus den Jahren 1909 und 1927 zeigen im Weiteren, dass Rodolphe Lindt nicht verurteilt wurde. Mehr noch: Der Richter entlastete ihn sogar post mortem! Obschon der Autor auch Historiker ist, sind Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit durch diese gravierenden Fehler mehr als berechtigt. Ist Gottlieb Biedermann tatsächlich der richtige Interviewpartner für einen Dokumentarfilm? Die Unsachlichkeit in seinem Buch spricht eindeutig dagegen. Im Folgenden ist das Gespräch schriftlich aufgezeichnet und jeweils kommentiert.


Interviewer: Die Schweizer sind ja oft stolz auf ihren Erfinderreichtum und ihren Fleiss. Passt die Geschichte von Rudolf Lindt genau in dieses Schema?

Wiederspruch: Bereits zu Beginn des Interviews wird auf ein Muster zurückgegriffen, dass Gottlieb Biedermann bereits in «Patriarchen» anwendet. Dort vergleicht er die Zürcher mit der anderen Familie. Dabei zählt er die positiven Eigenschaften der einen Seite auf, um diese der anderen abzusprechen. Ein solcher Negativvergleich wird auch im Gespräch angewendet. Eine rein rhetorische Frage des Reporters dient hierfür als Steilvorlage. Statt auf den Arbeitsfleiss einzugehen, fügt der Schriftsteller eine neue «Facette» hinzu. Dandytum steht klar im Widerspruch zum harten Fabrikalltag und folglich auch «zum breiten Bogen an Erfindern und Innovatoren». Auf diese Pioniere ist man stolz, weil sie sich den Erfolg erarbeitet haben. Auf einen verwöhnten und arbeitsscheuen Dandy wohl eher weniger. Für den Familienvergleich mit Zürich wird auf meine Gegendarstellung verwiesen: Negativvergleich als Entwertung.


Biedermann: Ich finde, der bringt eine ganz eigene Facette hinzu, zu diesem breiten Bogen an Erfindern und Innovatoren der Schweizer Wirtschaft, und zwar den Charakter des Dandytums. Er war ja ein Bürgersohn aus bester Bernburgerfamilie. Es ist nicht bekannt, dass er intensive Studien betrieben hätte. Durch Arbeitswut ist er auch nicht aufgefallen.

Falsch: Gemäss einer aktuellen Studie des Frauenhofer Instituts müssen die einzelnen Conchierparameter wie Temperatur, Energieeintrag und Conchierdauer noch heute unter grossem experimentellem Aufwand ermittelt werden, wodurch Fehlchargen und hohe Kosten entstehen. Folglich war die Erfindung nur mit intensiven Studien möglich.


Bidermann: Aber er hat eine Anlehre gemacht bei seinem Onkel, der in Lausanne eine Schokoladenfabrik hatte und kam damit zurück und wollte auch in Bern Schokolade produzieren. Wohl nicht um Geld zu verdienen, sondern um den jungen Mädchen zu gefallen und Ihnen Schokolade zu schenken. Ich würde vermuten, nach alle den Zeitzeugenaussagen, die es gibt, dass das seine hauptsächliche Triebfeder war.

Widerspruch: An dieser Stelle des Interviews versucht der Schriftsteller, seine Aussagen glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Er beruft sich dabei auf angebliche «Zeitzeugenaussagen», meint damit jedoch lediglich die Beurteilungen aus den Firmenbiografien. Da Rudolf Lindt 1970 bereits seit Langem verstorben war, konnten diese Zeitzeugen gar nicht existieren. Zudem wurden diese Texte von der anderen Streitpartei verfasst. Da der Streit sehr hart geführt wurde, sind solche subjektiven Aussagen kaum glaubwürdig. Somit scheitert Biedermann bei seinem Plausibilisierungsversuch an der fehlenden Objektivität. Die in der Einleitung erwähnten «akribischen historischen» Recherchen verleihen dieser offensichtlichen Unsachlichkeit nun eine vermeintliche Sachlichkeit. Auf diese Weise wird das Publikum des DOK-Beitrages an der Nase herumgeführt.


Interviewer: Und war das denn schnell mit Erfolg gekrönt?

Biedermann: Es gibt Leute, die sagen, er habe lange getüftelt. Andere sage, er hätte einfach Glück gehabt und an diesem Wochenende seinen einen grossen Geniestreich vollbracht.

Interviewer: Wie kann man sich das vorstellen: Einfach Glück gehabt?

Biedermann: Es gibt jene Version seiner Geschichte, von der berichtet wird, dass er versehentlich seine Erfindung gemacht hat, was besser zu seinem Charakterzug passt.

Falsch: Auch diese «Charaktereigenschaft» basiert auf der subjektiven Darstellung der Widersacher von Rodolphe Lindt. Damit wiederholt sich der Schriftsteller. Durch die Gründung der Schokoladenfabrik seines jüngeren Bruders und seines Cousins im Jahr 1906 fühlte sich die Zürcher Gegenseite hintergangen. Daraufhin folgte eine langjährige und kostspielige Auseinandersetzung, der ich auf den Grund gegangen bin. Auch in dieser Sache verweise ich auf meine Gegendarstellung. Biedermanns Wiederholung wirkt wie ein Plausibilisierungsversuch der vermeintlichen «Zeitzeugen». Wenn ein Fehler wiederholt wird, bleibt das Ergebnis falsch. Folglich führt auch die Wiederholung derselben subjektiven Aussage nicht zur Objektivierung eines Sachverhalts.


Biedermann: Nämlich, dass er an einem Freitagabend, als er die Arbeit einstellte und ins Wochenende ging, wohl zur Jagt oder eine Soirée mit den jungen Damen, vergessen hat, seine Rührmaschine abzustellen, die wasserbetrieben war, von einem Wasserrad und so hat diese Schokoladenmasse, wie man sie bisher gekannt hatte und die eigentlich mehr eine bröselige Masse war, so was wie trockene Haferflocken, die man im Mund hatte, heute würde man das nicht mehr essen, über das ganze Wochenende weitergedreht und wurde gerührt und gerührt. Und als Rudolf Lindt am Montagfrüh wieder in seine Fabrik kommt, entdeckt er da etwas in seinem Behälter, das nichts mehr zu tun hat mit dem, was man früher unter Schokolade verstand. Es war nämlich eine sämige, feine, zarte, süsse und vor allen Bitterstoffen befreite Masse, die sich auch noch leicht in Formen giessen liess. Das war ein Wunder!

Falsch: Wenn sich die Wassermenge in einer Masse reduziert, trocknet sie aus. Wäre die Maschine über die Dauer eines Wochenendes ohne manuelle Bedienung gelaufen, so hätte man am Montag eine völlig ausgetrocknete Masse im Behälter vorgefunden. Durch dieses unrealistische Szenario wird der Vorgang des Conchierens stark vereinfacht. Diese Vereinfachung steht jedoch im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Studie des Fraunhofer Instituts, wonach es sich um einen komplexen Vorgang handelt. «Und das Perfide daran ist, dass diese Legende, diese so schlichte Legende, die sich in einem Satz weitergeben lässt, 30 Jahre lang aufrechtgehalten hat. Das ist wahrhaftig ein Wunder!»


Interviewer: Das heisst, sein grosses Geheimnis besteht nur darin, die Schokoladenmasse länger zu rühren?

Biedermann: Das ist sein einziges Geheimnis. Die Maschine viel, viel, viel, länger umrühren zu lassen. Und das grosse Wunder daran ist, dass Rudolf Lindt, er hatte ja immerhin einige Mitarbeiter, dieses Geheimnis, dieses so schlichte Geheimnis, das sich in einem Satz weitergeben lässt, 20 Jahre lang gehütet hat. Und es ist nichts rausgesickert.

Falsch: Zum Schluss gibt der Interviewer dem Schriftsteller noch einmal die Gelegenheit, die Einfachheit der Erfindung zu plausibilisieren. Damit wird das komplexe Verfahren auf ein einfaches Rühren über einen längeren Zeitraum reduziert. Auch diese Frage-Antwort-Technik bez. dieser Steilpass kann als Versuch gewertet werden, die Zufallslegende glaubhaft zu machen. Dem Publikum wird dabei vorenthalten, dass das Conchieren eigentlich aus mehreren Schritten besteht. Das «schlichte» Geheimnis der perfekten Schokolade bestand immerhin aus der richtigen Temperatur, der Dauer des Conchierens, dem Druck der Walzen beim Kneten und Rühren – und das Ganze auch noch abgestimmt auf die Kakaosorte, die Herkunft, den Röstgrad und das gewünschte Aroma. Durch einen blossen Zufallstreffer hätten diese verschiedenen Parameter unmöglich vollständig entwickelt werden können. Durch die Abwertung dieser Schweizer Errungenschaft wird leider auch vergessen, dass im Weiteren die Temperiermethoden definiert und die Befüllung der Schokoladenformen neu organisiert werden mussten. Entgegen der von Biedermeier angestrebten Vereinfachung handelte es sich um eine revolutionäre Erfindung, die das Handwerk grundlegend veränderte.


Es gibt nicht viele Städte, in denen ein globales Produkt so stark beeinflusst wurde wie hier an der Aare. Das sollte man neidlos anerkennen. Der Schriftsteller und Historiker geht von einer Automatisierung aus, die jedoch erst um 1900 eintrat. Tatsächlich führte Rodolphe Lindt eine Schokoladenmühle und noch keine Fabrik – sein Betrieb war somit noch stark handwerklich geprägt. Um ein einziges Produktionslos zu verarbeiten, liefen seine Conchen bis zu 80 Stunden ununterbrochen. Das erforderte Schichtarbeit und deutlich mehr Personal als bei der Konkurrenz. Über 20 Jahre lang wurde dieses Veredelungsverfahren ausschliesslich im Mattequartier angewendet. In dieser Zeit hatte man dort wesentlich höhere Kosten als anderswo. Ob die Bären diesen höheren Aufwand einfach nur auf sich nahmen, um den «jungen Bärendamen» zu imponieren, bleibt eine rein spekulative Interpretation. Genauso gut könnte der Respekt vor dem Lebensmittel die «hauptsächliche Triebfeder» gewesen sein. In einer solchen Behauptung schwingt je nach Blickwinkel eine deftige Portion Missgunst mit. Und zwar gegenüber dem Geburtsort der modernen Schokolade.

  • Quellenangabe

    Schweizer Radio und Fernsehen, Fernsehstrasse 1-4, 8052 Zürich
    Webseite: https://www.srf.ch/play/tv
    Ausgabe: SRF DOK vom 9. Mai 2024
    Titel: Die Schweiz und die Schokolade (Interview ab Minute 13)

Wie kommt Pfiff ins Backrezept?

Als Domain für die Webseite meiner Gegendarstellung habe ich «Schmelzschokolade» gewählt. Dabei handelt es sich um einen Begriff aus der Fachliteratur. Die Publikation erfolgte im Oktober 2025. Seither hat sich die Anzahl der Schlüsselwörter für das Kochrezept «Schokolade schmelzen» auf der Webseite von M-Gusto von 86 auf 258 erhöht. Das hat eine positive Wirkung auf das Ranking in online Suchmaschinen. In der Adventszeit wurden zudem Lieferantengespräche in den Medien publik. Freilich muss kein Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen bestehen. Auf der einen Seite des «Schoggigrabens» glaubt man bekanntlich an Zufälle. Auf der anderen Seite hingegen eher weniger.
  • Quellenangabe

    Migros-Genossenschafts-Bund (MGB), Limmatstrasse 152, Postfach 1766, 8031 Zürich
    Webseite: https://migusto.migros.ch
    Titel: Schokoladen schmelzen

Warum ist die sachliche Darstellung von Rodolph Lindt mutig?

Ich finde es mutig vom Autor, sich für die sachliche Version der Geschichte über den wichtigsten Schokoladenpionier der Schweiz entschieden zu haben. Denn es könnte sich herausstellen, dass diese Objektivität zu gewissen Irritationen führen wird. In seinem Buch über die Geschichte der Schweizer Schokolade geht das eigentliche Zentrum jedoch unter. Das ist schade, denn so könnte sich auch hier eine Tendenz zur Zensur bemerkbar machen.

Wer sich fünf Jahre lang intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzt, kann diesen offensichtlichen Schokoladencluster kaum übersehen haben. Da die französischsprachige Region zurecht stark thematisiert wird, kann es für einmal nicht am «Schoggigraben» gelegen haben. Wohl auch nicht am Altbärenfranken. Eher an einem sonstigen Graben.

Nur weil Schweiz draufsteht, muss nicht zwingend Suisse drin sein. So gibt es bei Swissness eine Ausnahme für Kakao. Bei Schuhen hoffentlich bald nicht mehr. Wenn sich «Suisse» jedoch zu stark auf Zürich konzentriert, kann sich ein Wissensgraben öffnen. Zufälle werden dann zur Glaubensfrage, die nur eine Seite richtig beantwortet kann. So machen sich Bären zum Gespött, wie die Zürcher Reaktionen auf die wahre Geschichte über Rodolphe Lindt zeigen. Leben wir etwa in einer Schokoladenrepublik? Die von Altlöwen zentralistisch regiert wird? Wird man die Leistung des einst weltbesten Tennisspielers zukünftig auch nur noch auf seine Doppelfehler reduzieren? Ähnlich wie beim Branchenidol, dessen Lebenswerk auf «galante Abenteuer» herabgewürdigt wird.

Nützt es der Branche wirklich, wenn Wissen ungleich verteilt ist? Man bewegen sich in einem sensiblen Beschaffungsmarkt, in dem der Verkauf stark vom Kundenvertrauen abhängt. Wenn an der Legende festgehalten wird, verkauft man die Kunden jedoch für dumm. Das wirft die Frage auf: Wie glaubwürdig ist das Fair-Trade-Versprechen unter diesen Umständen noch? Wenn der Alpenfarn sich rötet, könnte die Zeit nun reif sein, um den Kommunikationsberater zu wechseln.

Im Kern dieser Geschichte geht es um eine chemische Verschmelzung und die Vereinigung zweier Firmen. Schliesslich handelt es sich dabei um einen Teil des kulinarischen Erbes der Schweiz. Wäre es da nicht viel sinnvoller, genau diese verbindenden Werte in den Mittelpunkt zu rücken und ein Zeichen gegen Polarisierung zu setzen? Zumindest besteht die Hoffnung, dass die Zürcher Dominanz in der Schoggipolitik schwindet und der Bildungsauftrag wieder verantwortungsvoll wahrgenommen wird. Dann würde sich der Wissensstau am Baregg schlagartig in Luft auflösen.
  • Quellenangabe

    Schweizer Schokolade: Alpen, Milch und Pioniere
    Autor: D. Flammer, Public History Food GmbH, Sihlquai 67, 8005 Zürich
    Verlag: AT Verlag 2025

Was bedeutet ein Meilenstein im Projektmanagement?

Dabei handelt es sich um einen wichtigen Zeitpunkt, der ein bestimmtes Zwischenziel markiert. Ein Auftraggeber wird ein Projekt erst dann als abgeschlossen akzeptieren, wenn sämtliche Meilensteine erfüllt sind. Während der Zeit von Jordan und Timaeus wurde die Schokoladenmasse in Tafelformen gepresst. Heute wird die Masse in Formen gegossen. Die Milchschokolade aus Dresden wies eine körnige Struktur auf. Die heutige Form hat hingegen eine einheitliche Struktur. Somit steht fest, dass die Version aus dem Jahr 1839 nur eine Zwischenetappe bei der Entwicklung moderner Schokolade war. Ist der Erfinder der Kerze auch der Erfinder der Glühbirne? Wohl kaum. Es war Edison. Sowohl das Schokoladengiessen als auch die Homogenisierung der Struktur sind auf die Errungenschaft von Rodolphe Lindt zurückzuführen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Kriterien für den im Artikel gewählten Titel als ungenügend. Wenn in diesem Beitrag die Schweizer Schokoladenhauptstadt unerwähnt bleibt und diese Auszeichnung der Landeshauptstadt von Sachsen zugeschrieben wird, entsteht leider der Eindruck, dass die Unabhängigkeit der Journalistin für eine liberale Zeitung nicht ausreicht. Der Artikel entpuppt sich somit als Sommerente der NZZ.
  • Quellenangabe

    Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, Postfach, 8021 Zürich
    Webseite: https://www.nzz.ch/
    Ausgabe: 25. Juli 2026
    Titel: Wer hat die Tafelschokolade erfunden? Nicht die Schweizer
Quellen zur Einleitung
Züri West: Und täglich grüsst die Schokoladenhauptstadt
Quellen zum Qualitativen Teil
Und täglich grüsst die Schokoladenhauptstadt
Quellen zur Schmelzschokolade
Und täglich grüsst die Mühle an der grünen Aare
Quellen Zum Quantitativen Teil
Und täglich grüssen die Mutzen
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