Warum sind Rückmeldungen zum SRF DOK «Schweiz und die Schokolade» wichtig?
Nach der Veröffentlichung der Gegendarstellung habe ich ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten. Die Zufallslegende ist inhaltlich falsch und wurde von den Siegern erfunden. Damit wird die Leistung der Verliererseite abgewertet, die von harten Schicksalsschlägen getroffen wurde. Bisher habe ich mich aber noch nicht klar genug ausgedrückt. Daher habe ich auf die Hilfe von KI zurückgegriffen, um die ausgrenzende Wirkung der Legende aus meiner Sicht darzustellen:
Das schadlose Ziel: Eine verstorbene Person besitzt kein Bewusstsein und kann daher keine Kränkung mehr empfinden. Also zielt die abwertende Legende ins Leere, weil Rodolphe Lindt selbst nicht mehr getroffen werden kann.
Die kollektive Entwertung: Der Glückstreffer wertet aber nicht nur die Person ab, sondern stellt auch die eigentliche Leistung infrage. Denn eine Tätigkeit, die sich mit Nichtstun definiert, könnte jeder ausführen. Wenn eine bahnbrechende Innovation zum blossen Zufallstreffer degradiert wird, verliert nicht nur der Ort, an dem sie erfunden wurde, seine historische Strahlkraft, sondern auch der Berufsstand, der sie hervorgebracht hat, an Wertschätzung. Damit trifft die Legende nicht nur eine einzelne Person, sondern den Innovationsgeist und das kulturelle Erbe einer gesamten Region und Berufsgruppe.
Fazit: Da die abwertende Zufallslegende ihr vermeintliches Einzelziel verfehlt, entfaltet sie ihre Wirkung auf der Systemebene. Sie degradiert das kollektive Erbe einer Gemeinschaft und wirkt ausgrenzend, indem sie einer ganzen Region ihren historischen Beitrag zur globalen Schokoladenentwicklung abspricht – was wiederum erklärt, warum der Geburtsort der modernen Schokolade heute so wenig bekannt ist. Gleichzeitig vereinfacht die Legende das Handwerk und entwertet somit auch die Leistung der Schokoladenmacher selbst. Angesichts des tragischen Vorfalls im Dezember 1927 erhält die Erzählung zudem eine zynische Note. Eine solche Abwertung kann deshalb keinesfalls als blosser Witz gemeint sein.
In «Schweiz und die Schokolade» wird die abwertende Legende dennoch präsentiert. Es zeugt von einer gewissen Ignoranz, dass der DOK-Beitrag trotz fehlender Sachlichkeit nach wie vor online ist. Damit sorgt das Schweizer Fernsehen weiterhin für Verwirrung. Denn der zweifelhafte SRF-Beitrag wird mittlerweile auch von «Education 21» angeboten.
Das Onlinangebot dieser Stiftung richtet sich ausgerechnet an Schulen. Bezieht sich «Bildung 21» auf den Stiftungszweck oder handelt es sich dabei um ein reines Marketingwort? Der fehlerhafte und potenziell ausgrenzende Beitrag lässt jedenfalls Zweifel an einem Bildungsauftrag aufkommen. Falls ein solcher aber tatsächlich vorhanden ist, stellt sich die Frage, ob dieser verantwortungsvoll genug umgesetzt wird.
Rückmeldungen zum fragwürdigen Film sollten aber nicht an mich, sondern direkt an SRF DOK gerichtet werden. So kann die zuständige Redaktion entscheiden, ob Missverständnisse wie bei Education 21 künftig vermieden werden sollen.